Die Tele­me­di­zin hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von einer ergän­zen­den Ser­vice­leis­tung zu einem fes­ten Bestand­teil der Gesund­heits­ver­sor­gung ent­wi­ckelt. Video­sprech­stun­den, digi­ta­le Befund­über­mitt­lun­gen und tele­me­di­zi­ni­sche Moni­to­ring-Sys­te­me ermög­li­chen eine fle­xi­ble, orts­un­ab­hän­gi­ge Betreu­ung von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten.

Doch mit der zuneh­men­den Digi­ta­li­sie­rung steigt auch die daten­schutz­recht­li­che Ver­ant­wor­tung. Gesund­heits­da­ten gehö­ren zu den sen­si­bels­ten per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten im Sin­ne der Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung (DSGVO). Feh­ler in der tech­ni­schen oder orga­ni­sa­to­ri­schen Umset­zung kön­nen erheb­li­che recht­li­che, finan­zi­el­le und repu­ta­ti­ve Fol­gen haben.

Die­ser Bei­trag zeigt, wel­che daten­schutz­recht­li­chen Anfor­de­run­gen für die Tele­me­di­zin gel­ten, wel­che typi­schen Risi­ken bestehen und wie Sie die Tele­me­di­zin daten­schutz­kon­form umset­zen kön­nen.

Das Wich­tigs­te in Kür­ze

  • Tele­me­di­zin = digi­ta­le medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung: Video­sprech­stun­den, Fern­über­wa­chung, digi­ta­le Befun­de und Tele­kon­si­le.
  • Gesund­heits­da­ten sind beson­ders sen­si­bel: Nach Art. 9 DSGVO gilt ein grund­sätz­li­ches Ver­ar­bei­tungs­ver­bot ohne Rechts­grund­la­ge.
  • Tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men: Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung, rol­len­ba­sier­te Zugriffs­rech­te, siche­re Authen­ti­fi­zie­rung, Pri­va­cy by Default, Pro­to­kol­lie­rung und Nach­voll­zieh­bar­keit.
  • Auf­trags­ver­ar­bei­tung (Art. 28 DSGVO): Nut­zung exter­ner Video­platt­for­men erfor­dert AV-Ver­trag, Sicher­heits­prü­fung, kla­re Sub­un­ter­neh­mer-Struk­tu­ren.
  • Daten­schutz-Fol­gen­ab­schät­zung (DSFA): Pflicht bei umfang­rei­cher Ver­ar­bei­tung, sys­te­ma­ti­scher Über­wa­chung oder Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gien.

Was ist Tele­me­di­zin?

Tele­me­di­zin bezeich­net die Erbrin­gung medi­zi­ni­scher Leis­tun­gen unter Ein­satz digi­ta­ler Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel. Sie ermög­licht es Ärz­tin­nen, Ärz­ten und ande­ren medi­zi­ni­schen Fach­kräf­ten, Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten auch über räum­li­che Distanz hin­weg zu betreu­en. Dabei kom­men unter­schied­li­che digi­ta­le Tech­no­lo­gien zum Ein­satz, von Video­sprech­stun­den über elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­ak­ten bis zu Fern­über­wa­chungs­sys­te­men für chro­nisch erkrank­te Per­so­nen.

Zu den zen­tra­len Anwen­dungs­be­rei­chen zäh­len unter ande­rem:

  • Die Durch­füh­rung von Video­sprech­stun­den, bei denen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ihre Ärz­tin­nen oder Ärz­te online kon­sul­tie­ren kön­nen.
  • Digi­ta­le Pati­en­ten­ak­ten, die einen siche­ren Aus­tausch und eine struk­tu­rier­te Doku­men­ta­ti­on von Befun­den ermög­li­chen.
  • Die Fern­über­wa­chung chro­nisch Erkrank­ter, etwa über Mess­ge­rä­te, die Vital­pa­ra­me­ter direkt an medi­zi­ni­sches Per­so­nal über­tra­gen; die elek­tro­ni­sche Rezept­über­mitt­lung, die eine schnel­le und siche­re Aus­stel­lung von Medi­ka­men­ten ermög­licht.
  • Sowie Tele­kon­si­le zwi­schen medi­zi­ni­schen Fach­kräf­ten, die den fach­li­chen Aus­tausch und die Dia­gno­se­stel­lung unter­stüt­zen, ohne dass alle Betei­lig­ten phy­sisch am sel­ben Ort sein müs­sen.

Recht­lich bewegt sich Tele­me­di­zin an der Schnitt­stel­le ver­schie­de­ner Rege­lungs­be­rei­che. Neben dem Berufs­recht, das die ärzt­li­che Tätig­keit regelt, spielt ins­be­son­de­re das Sozi­al­recht eine Rol­le, wenn es um Abrech­nung und Ver­sor­gungs­pflich­ten geht. Ein beson­ders kri­ti­scher Bereich ist das Daten­schutz­recht, denn Tele­me­di­zin erfor­dert die Ver­ar­bei­tung beson­ders sen­si­bler Gesund­heits­da­ten. Hier greift die DSGVO, die kla­re Vor­ga­ben für die Erhe­bung, Spei­che­rung und Ver­ar­bei­tung von Gesund­heits­da­ten macht. Der Schutz die­ser Daten ist nicht nur gesetz­li­che Pflicht, son­dern auch ent­schei­dend für das Ver­trau­en der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten in digi­ta­le Gesund­heits­an­ge­bo­te.

Tele­me­di­zin bie­tet somit die Mög­lich­keit einer orts­un­ab­hän­gi­gen, fle­xi­blen und effi­zi­en­ten Gesund­heits­ver­sor­gung, bringt aber auch die Ver­ant­wor­tung mit sich, per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten umfas­send zu schüt­zen und daten­schutz­kon­form zu han­deln.

War­um Daten­schutz in der Tele­me­di­zin beson­ders sen­si­bel ist

Gesund­heits­da­ten zäh­len gemäß Arti­kel 9 DSGVO zu den „beson­de­ren Kate­go­rien per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten“. Ihre Ver­ar­bei­tung ist grund­sätz­lich ver­bo­ten, es sei denn, es greift eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Erlaub­nis – zum Bei­spiel für die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung oder auf Grund­la­ge einer aus­drück­li­chen Ein­wil­li­gung.

In der Tele­me­di­zin wer­den regel­mä­ßig fol­gen­de Daten­ar­ten ver­ar­bei­tet, die jeweils beson­de­re Schutz­an­for­de­run­gen mit sich brin­gen:

  • Dia­gno­sen: Medi­zi­ni­sche Dia­gno­sen ent­hal­ten Infor­ma­tio­nen über die gesund­heit­li­che Situa­ti­on einer Per­son. Ihre Offen­le­gung kann nicht nur die Pri­vat­sphä­re ver­let­zen, son­dern auch Aus­wir­kun­gen auf Ver­si­che­run­gen, Arbeit­ge­ber oder sozia­le Kon­tak­te haben.
  • Befun­de und Labor­er­geb­nis­se: Labor­wer­te, radio­lo­gi­sche Bil­der oder ande­re Befun­de sind hoch­sen­si­ble Daten, die Rück­schlüs­se auf Krank­hei­ten oder gene­ti­sche Prä­dis­po­si­tio­nen zulas­sen. Eine feh­ler­haf­te Spei­che­rung oder ein unbe­fug­ter Zugriff kann schwer­wie­gen­de Kon­se­quen­zen für die betrof­fe­ne Per­son nach sich zie­hen.
  • Medi­ka­ti­ons­da­ten: Infor­ma­tio­nen über ver­schrie­be­ne Medi­ka­men­te, Dosie­run­gen oder Ein­nah­me­plä­ne ermög­li­chen Rück­schlüs­se auf Gesund­heits­zu­stän­de und Behand­lungs­mus­ter. Ein Miss­brauch die­ser Daten kann z. B. Dis­kri­mi­nie­rung oder betrü­ge­ri­sche Nut­zung zur Fol­ge haben.
  • Bild- und Ton­auf­nah­men aus Video­sprech­stun­den: Video­mit­schnit­te oder Screen­shots kön­nen inti­me Details und per­sön­li­che Gesprä­che ent­hal­ten. Ihre unbe­fug­te Wei­ter­ga­be stellt einen erheb­li­chen Ein­griff in die Pri­vat­sphä­re dar und kann das Ver­trau­en in digi­ta­le Gesund­heits­an­ge­bo­te nach­hal­tig schä­di­gen.
  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­hal­te: Nach­rich­ten zwi­schen Pati­en­tin­nen, Pati­en­ten und medi­zi­ni­schem Per­so­nal ent­hal­ten häu­fig sen­si­ble Infor­ma­tio­nen zu Sym­pto­men, Beschwer­den oder psy­chi­schen Zustän­den. Jede unge­si­cher­te Spei­che­rung oder Über­mitt­lung birgt das Risi­ko, dass Drit­te Zugriff auf pri­va­te Gesund­heits­in­for­ma­tio­nen erhal­ten.

Ein Daten­schutz­ver­stoß in der Tele­me­di­zin kann daher nicht nur Buß­gel­der nach sich zie­hen, son­dern auch das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Pati­en­tin­nen, Pati­en­ten und Behan­deln­den nach­hal­tig beschä­di­gen. Daten­schutz ist hier nicht nur gesetz­li­che Pflicht, son­dern auch eine grund­le­gen­de Vor­aus­set­zung für die Akzep­tanz und den Erfolg digi­ta­ler Gesund­heits­lö­sun­gen.

Rechts­grund­la­gen für Tele­me­di­zin nach DSGVO

Die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten im Rah­men tele­me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen erfor­dert eine kla­re und trag­fä­hi­ge daten­schutz­recht­li­che Grund­la­ge. Da es sich regel­mä­ßig um Gesund­heits­da­ten han­delt, grei­fen neben den all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen der DSGVO ins­be­son­de­re die beson­de­ren Schutz­vor­schrif­ten für sen­si­ble Daten.

Zunächst ist auf Ebe­ne der all­ge­mei­nen Recht­mä­ßig­keit der Ver­ar­bei­tung regel­mä­ßig Arti­kel 6 Absatz 1 lit. b DSGVO ein­schlä­gig. Danach ist eine Ver­ar­bei­tung zuläs­sig, wenn sie zur Erfül­lung eines Ver­trags erfor­der­lich ist. Im tele­me­di­zi­ni­schen Kon­text ist dies in der Regel der Behand­lungs­ver­trag zwi­schen Pati­en­tin bzw. Pati­ent und Leis­tungs­er­brin­ger. Ohne die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten, etwa von Stamm­da­ten, Kon­takt­da­ten oder medi­zi­ni­schen Infor­ma­tio­nen, kann die digi­ta­le Behand­lung nicht durch­ge­führt wer­den. Die Daten­ver­ar­bei­tung ist somit inte­gra­ler Bestand­teil der ver­trag­li­chen Leis­tungs­er­brin­gung.

Da Gesund­heits­da­ten jedoch zu den beson­de­ren Kate­go­rien per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten gehö­ren, reicht Arti­kel 6 DSGVO allein nicht aus. Zusätz­lich muss eine Aus­nah­me nach Arti­kel 9 Absatz 2 DSGVO grei­fen. Die­se Vor­schrift erlaubt die Ver­ar­bei­tung von Gesund­heits­da­ten, wenn sie für Zwe­cke der Gesund­heits­vor­sor­ge, der medi­zi­ni­schen Dia­gnos­tik, der Ver­sor­gung oder Behand­lung im Gesund­heits- oder Sozi­al­be­reich erfor­der­lich ist und durch Fach­per­so­nal erfolgt, das einer gesetz­li­chen Ver­schwie­gen­heits­pflicht unter­liegt. Tele­me­di­zi­ni­sche Leis­tun­gen fal­len regel­mä­ßig unter die­se Aus­nah­me, sofern sie durch ent­spre­chend befug­te Berufs­grup­pen erbracht wer­den.

In bestimm­ten Kon­stel­la­tio­nen kann ergän­zend oder aus­nahms­wei­se eine aus­drück­li­che Ein­wil­li­gung erfor­der­lich sein. Dies kann bei­spiels­wei­se dann der Fall sein, wenn Daten für zusätz­li­che Zwe­cke ver­ar­bei­tet wer­den sol­len, die nicht unmit­tel­bar von der medi­zi­ni­schen Behand­lung gedeckt sind – etwa bei frei­wil­li­gen Zusatz­funk­tio­nen, bestimm­ten Ana­ly­se­ver­fah­ren oder der Nut­zung exter­ner Platt­form­diens­te, die nicht zwin­gend für die Behand­lung erfor­der­lich sind. Eine Ein­wil­li­gung muss dabei frei­wil­lig, infor­miert, ein­deu­tig und wider­ruf­lich aus­ge­stal­tet sein.

Ent­schei­dend ist, dass die jewei­li­ge Rechts­grund­la­ge nicht nur theo­re­tisch benannt, son­dern im Rah­men des Ver­zeich­nis­ses von Ver­ar­bei­tungs­tä­tig­kei­ten sau­ber doku­men­tiert und in der Daten­schutz­in­for­ma­ti­on trans­pa­rent dar­ge­stellt wird. Ver­ant­wort­li­che müs­sen klar fest­le­gen, auf wel­che Rechts­grund­la­ge sie die jewei­li­ge Daten­ver­ar­bei­tung stüt­zen und wes­halb die­se erfor­der­lich ist.

Eine pau­scha­le oder vor­sorg­lich ein­ge­hol­te Ein­wil­li­gung ersetzt kei­ne dif­fe­ren­zier­te recht­li­che Prü­fung. Viel­mehr besteht die Gefahr, dass Ein­wil­li­gun­gen unwirk­sam sind, wenn ein struk­tu­rel­les Ungleich­ge­wicht besteht oder wenn die Ver­ar­bei­tung bereits auf einer gesetz­li­chen Grund­la­ge zuläs­sig wäre. Aus daten­schutz­recht­li­cher Per­spek­ti­ve ist daher stets sorg­fäl­tig zu prü­fen, wel­che Norm tat­säch­lich ein­schlä­gig ist und ob zusätz­li­che orga­ni­sa­to­ri­sche oder tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men erfor­der­lich sind.

Tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men (TOM) in der Tele­me­di­zin

Die DSGVO ver­langt nach Arti­kel 32 geeig­ne­te tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men, um ein dem Risi­ko ange­mes­se­nes Schutz­ni­veau zu gewähr­leis­ten. Gera­de in der Tele­me­di­zin, in der hoch­sen­si­ble Gesund­heits­da­ten digi­tal über­mit­telt und gespei­chert wer­den, sind erhöh­te Sicher­heits­stan­dards erfor­der­lich.

Beson­ders rele­vant sind fol­gen­de Maß­nah­men:

1. Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung

Video‑, Audio- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten müs­sen wäh­rend der Über­tra­gung wirk­sam geschützt sein. Eine ech­te Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung stellt sicher, dass aus­schließ­lich die betei­lig­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner Zugriff auf die Inhal­te haben, nicht ein­mal der Platt­form­an­bie­ter darf die Inhal­te ein­se­hen kön­nen. Auch gespei­cher­te Daten soll­ten ver­schlüs­selt abge­legt wer­den.

2. Zugriffs­be­schrän­kun­gen

Pati­en­ten­da­ten dür­fen aus­schließ­lich für berech­tig­te Per­so­nen zugäng­lich sein. Hier­für sind dif­fe­ren­zier­te Rol­len- und Berech­ti­gungs­kon­zep­te erfor­der­lich, die sich an den tat­säch­li­chen Auf­ga­ben ori­en­tie­ren (Need-to-know-Prin­zip). Zugriffs­rech­te soll­ten regel­mä­ßig über­prüft und bei Per­so­nal­wech­seln unver­züg­lich ange­passt wer­den.

3. Siche­re Authen­ti­fi­zie­rung

Ein star­kes Authen­ti­fi­zie­rungs­kon­zept redu­ziert das Risi­ko unbe­fug­ter Zugrif­fe erheb­lich. Ins­be­son­de­re bei Fern­zu­grif­fen oder cloud­ba­sier­ten Anwen­dun­gen ist eine Zwei-Fak­tor-Authen­ti­fi­zie­rung emp­feh­lens­wert. Auch siche­re Pass­wort­richt­li­ni­en und auto­ma­ti­sche Sit­zungs­be­en­di­gun­gen sind Teil eines ange­mes­se­nen Sicher­heits­ni­veaus.

4. Daten­spar­sa­me Sys­tem­ein­stel­lun­gen

Sys­te­me soll­ten stan­dard­mä­ßig so kon­fi­gu­riert sein, dass nur die für die jewei­li­ge Behand­lung erfor­der­li­chen Daten ver­ar­bei­tet wer­den. Nicht benö­tig­te Zusatz­funk­tio­nen, auto­ma­ti­sche Daten­spei­che­run­gen oder erwei­ter­te Pro­fil­bil­dun­gen sind zu deak­ti­vie­ren. Die­ses Prin­zip ent­spricht den Vor­ga­ben von Pri­va­cy by Default.

5. Pro­to­kol­lie­rung und Nach­voll­zieh­bar­keit

Zugrif­fe auf Gesund­heits­da­ten soll­ten nach­voll­zieh­bar doku­men­tiert wer­den. Pro­to­kol­lie­run­gen ermög­li­chen es, unbe­fug­te Zugrif­fe zu erken­nen und im Ver­dachts­fall eine inter­ne Prü­fung durch­zu­füh­ren. Gleich­zei­tig die­nen sie der Rechen­schafts­pflicht gegen­über Auf­sichts­be­hör­den.

Auf­trags­ver­ar­bei­tung bei Tele­me­di­zin-Anbie­tern

Nut­zen Pra­xen oder Apo­the­ken exter­ne Platt­for­men für Video­sprech­stun­den, digi­ta­le Pati­en­ten­ak­ten oder Mes­sen­ger-Diens­te, liegt regel­mä­ßig eine Auf­trags­ver­ar­bei­tung nach Arti­kel 28 DSGVO vor. Der exter­ne Anbie­ter ver­ar­bei­tet dabei die Daten nicht zu eige­nen Zwe­cken, son­dern im Auf­trag der ver­ant­wort­li­chen Stel­le.

Dabei ist ins­be­son­de­re zu beach­ten:

  • Abschluss eines rechts­kon­for­men Auf­trags­ver­ar­bei­tungs­ver­trags (AVV).
  • Prü­fung und Doku­men­ta­ti­on der tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men des Anbie­ters.
  • Klä­rung des Ser­ver­stand­orts und mög­li­cher Dritt­land­über­mitt­lun­gen.
  • Trans­pa­ren­te Offen­le­gung und ver­trag­li­che Ein­bin­dung von Sub­un­ter­neh­mern.

Wich­tig: Die daten­schutz­recht­li­che Ver­ant­wor­tung ver­bleibt trotz exter­ner Dienst­leis­ter bei der Pra­xis oder Apo­the­ke als ver­ant­wort­li­cher Stel­le.

Daten­schutz-Fol­gen­ab­schät­zung (DSFA) bei Tele­me­di­zin

Da in der Tele­me­di­zin regel­mä­ßig umfang­rei­che und beson­ders schüt­zens­wer­te Gesund­heits­da­ten ver­ar­bei­tet wer­den, kann eine Daten­schutz-Fol­gen­ab­schät­zung nach Arti­kel 35 DSGVO erfor­der­lich sein.

Die DSFA dient der struk­tu­rier­ten Iden­ti­fi­ka­ti­on, Bewer­tung und Mini­mie­rung von Risi­ken für die Rech­te und Frei­hei­ten betrof­fe­ner Per­so­nen. Sie ist somit ein zen­tra­les Instru­ment der prä­ven­ti­ven Risi­ko­steue­rung.

Eine DSFA ist ins­be­son­de­re ange­zeigt, wenn:

  • neue oder inno­va­ti­ve Tech­no­lo­gien ein­ge­setzt wer­den
  • sys­te­ma­ti­sche oder umfang­rei­che digi­ta­le Aus­wer­tun­gen erfol­gen
  • gro­ße Men­gen sen­si­bler Gesund­heits­da­ten ver­ar­bei­tet wer­den
  • neue tele­me­di­zi­ni­sche Platt­for­men ein­ge­führt wer­den

Ein­schät­zung von Michael Triesch: Daten­schutz­ex­per­te klärt auf: Wel­che Daten­schutz­ri­si­ken gibt es in der Tele­me­di­zin

In der prak­ti­schen Umset­zung tele­me­di­zi­ni­scher Ange­bo­te zei­gen sich immer wie­der ähn­li­che Pro­blem­be­rei­che, die sowohl tech­ni­scher als auch orga­ni­sa­to­ri­scher Natur sind. Häu­fig wer­den digi­ta­le Lösun­gen unter hohem Zeit­druck ein­ge­führt, ohne dass die Daten­schutz­an­for­de­run­gen von Beginn an struk­tu­riert geprüft und doku­men­tiert wer­den.

Gera­de weil die Tele­me­di­zin eine Schnitt­stel­le zwi­schen medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung, IT-Infra­struk­tur und exter­nen Dienst­leis­tern dar­stellt, ent­ste­hen kom­ple­xe Ver­ar­bei­tungs­si­tua­tio­nen mit erhöh­tem Risi­ko­po­ten­zi­al. Feh­len kla­re Zustän­dig­kei­ten, defi­nier­te Pro­zes­se oder eine daten­schutz­recht­li­che Beglei­tung bei der Aus­wahl und Kon­fi­gu­ra­ti­on der Sys­te­me, füh­ren selbst gut gemein­te Digi­ta­li­sie­rungs­maß­nah­men schnell zu recht­li­chen und sicher­heits­tech­ni­schen Schwach­stel­len.

Nut­zung nicht aus­rei­chend geprüf­ter oder nicht DSGVO-kon­for­mer Video­diens­te

Wer­den Video­platt­for­men ein­ge­setzt, ohne deren Daten­schutz­kon­for­mi­tät und Sicher­heits­stan­dards sorg­fäl­tig zu prü­fen, besteht ein erheb­li­ches Risi­ko unzu­läs­si­ger Daten­über­mitt­lun­gen. Ins­be­son­de­re feh­len­de Ver­schlüs­se­lung oder Ser­ver­stand­or­te außer­halb der EU kön­nen zu Ver­stö­ßen gegen die DSGVO füh­ren.

Feh­len­de oder unvoll­stän­di­ge Auf­trags­ver­ar­bei­tungs­ver­trä­ge

Ohne einen ord­nungs­ge­mäß abge­schlos­se­nen Auf­trags­ver­ar­bei­tungs­ver­trag fehlt die recht­li­che Grund­la­ge für die Ein­bin­dung exter­ner Dienst­leis­ter. Dies kann dazu füh­ren, dass Ver­ant­wort­li­che ihrer Rechen­schafts­pflicht nicht nach­kom­men und erheb­li­che Haf­tungs­ri­si­ken ent­ste­hen.

Zu weit­rei­chen­de Zugriffs­rech­te ohne dif­fe­ren­zier­tes Berech­ti­gungs­kon­zept

Erhal­ten Mit­ar­bei­ten­de Zugriff auf mehr Daten als für ihre Tätig­keit erfor­der­lich ist, wird das Prin­zip der Daten­mi­ni­mie­rung ver­letzt. Feh­len­de Rol­len- und Berech­ti­gungs­kon­zep­te erhö­hen zudem das Risi­ko inter­ner Daten­schutz­ver­stö­ße.

Spei­che­rung von Video­sprech­stun­den ohne kla­re Rechts­grund­la­ge

Die Auf­zeich­nung von Video­sprech­stun­den ist daten­schutz­recht­lich beson­ders sen­si­bel und regel­mä­ßig nicht für die Behand­lung erfor­der­lich. Erfolgt eine Spei­che­rung ohne ein­deu­ti­ge Rechts­grund­la­ge oder wirk­sa­me Ein­wil­li­gung, liegt ein erheb­li­cher Daten­schutz­ver­stoß vor.

Unkla­re oder nicht tech­nisch umge­setz­te Lösch­fris­ten

Wer­den kei­ne kon­kre­ten Lösch­fris­ten defi­niert oder tech­nisch imple­men­tiert, besteht die Gefahr einer unzu­läs­si­gen Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Gesund­heits­da­ten dür­fen jedoch nur so lan­ge auf­be­wahrt wer­den, wie es gesetz­lich vor­ge­schrie­ben oder medi­zi­nisch erfor­der­lich ist.

Nut­zung pri­va­ter End­ge­rä­te ohne ange­mes­se­ne Absi­che­rung

Wer­den pri­va­te Lap­tops oder Smart­phones ohne geeig­ne­te Sicher­heits­maß­nah­men für tele­me­di­zi­ni­sche Anwen­dun­gen genutzt, erhöht sich das Risi­ko von Daten­ver­lust oder unbe­fug­tem Zugriff. Feh­len­de Ver­schlüs­se­lung, unsi­che­re WLAN-Ver­bin­dun­gen oder man­geln­de Zugriffs­sper­ren kön­nen sen­si­ble Gesund­heits­da­ten gefähr­den.

Die­se Risi­ken ent­ste­hen häu­fig durch Zeit­druck bei der Ein­füh­rung digi­ta­ler Lösun­gen, unzu­rei­chen­de tech­ni­sche Prü­fung oder feh­len­de daten­schutz­recht­li­che Beglei­tung im Aus­wahl­pro­zess.

Vor­tei­le einer daten­schutz­kon­for­men Tele­me­di­zin

Ein hohes Daten­schutz­ni­veau kann jedoch auch Qua­li­täts­merk­mal wahr­ge­nom­men wer­den und somit einen Wett­be­werbs­vor­teil dar­stel­len. Rich­tig umge­setzt bie­tet Tele­me­di­zin erheb­li­che Vor­tei­le:

  • fle­xi­ble und orts­un­ab­hän­gi­ge Pati­en­ten­ver­sor­gung
  • Zeit­er­spar­nis für Behan­deln­de und Pati­en­tin­nen bzw. Pati­en­ten
  • Erwei­te­rung des Ein­zugs­ge­biets
  • struk­tu­rier­te und digi­ta­le Doku­men­ta­ti­on
  • Stär­kung des Ver­trau­ens durch trans­pa­ren­te Daten­schutz­stan­dards

Daten­schutz in der Tele­me­di­zin: Best Prac­ti­ces von Michael Triesch, Ihrem Daten­schutz­ex­per­ten

Eine rechts­si­che­re Umset­zung tele­me­di­zi­ni­scher Ange­bo­te erfor­dert mehr als nur eine tech­nisch funk­tio­nie­ren­de Platt­form. Ent­schei­dend ist ein struk­tu­rier­tes Daten­schutz­kon­zept, das sowohl recht­li­che Vor­ga­ben als auch orga­ni­sa­to­ri­sche Abläu­fe berück­sich­tigt. Aus daten­schutz­recht­li­cher Sicht soll­ten ins­be­son­de­re fol­gen­de Maß­nah­men umge­setzt wer­den:

Anbie­ter sorg­fäl­tig aus­wäh­len und daten­schutz­recht­lich prü­fen: Vor der Beauf­tra­gung soll­te geprüft wer­den, ob der Anbie­ter nach­voll­zieh­ba­re Sicher­heits­kon­zep­te, trans­pa­ren­te Daten­schutz­in­for­ma­tio­nen und eine DSGVO-kon­for­me Ver­trags­grund­la­ge vor­wei­sen kann. Auch Aspek­te wie Ser­ver­stand­ort, Ver­schlüs­se­lungs­stan­dards und der Umgang mit Sub­un­ter­neh­mern sind sorg­fäl­tig zu bewer­ten.

Auf­trags­ver­ar­bei­tung ver­trag­lich sau­ber absi­chern: Sofern der Anbie­ter per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten im Auf­trag ver­ar­bei­tet, ist ein rechts­kon­for­mer Auf­trags­ver­ar­bei­tungs­ver­trag zwin­gend erfor­der­lich. Die­ser soll­te kla­re Rege­lun­gen zu Sicher­heits­maß­nah­men, Kon­troll­rech­ten und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen bei Daten­schutz­vor­fäl­len ent­hal­ten.

Rol­len- und Zugriffs­kon­zep­te klar defi­nie­ren: Zugrif­fe auf Gesund­heits­da­ten müs­sen sich strikt am Auf­ga­ben­be­reich der jewei­li­gen Mit­ar­bei­ten­den ori­en­tie­ren. Ein doku­men­tier­tes Berech­ti­gungs­kon­zept sowie regel­mä­ßi­ge Über­prü­fun­gen der ver­ge­be­nen Zugriffs­rech­te sind uner­läss­lich.

Lösch­fris­ten fest­le­gen und tech­nisch imple­men­tie­ren: Gesund­heits­da­ten dür­fen nicht unbe­grenzt gespei­chert wer­den. Gesetz­li­che Auf­be­wah­rungs­pflich­ten sind zu beach­ten. Dar­über hin­aus­ge­hen­de Spei­che­run­gen müs­sen ver­mie­den und durch tech­ni­sche Rou­ti­nen (z. B. auto­ma­ti­sche Lösch­läu­fe) abge­si­chert wer­den.

Erfor­der­lich­keit einer Daten­schutz-Fol­gen­ab­schät­zung prü­fen: Bei umfang­rei­cher oder beson­ders sen­si­bler Daten­ver­ar­bei­tung ist zu bewer­ten, ob eine Daten­schutz-Fol­gen­ab­schät­zung durch­zu­füh­ren ist. Die­se dient der sys­te­ma­ti­schen Risi­ko­ana­ly­se und hilft, geeig­ne­te Schutz­maß­nah­men früh­zei­tig zu defi­nie­ren.

Mit­ar­bei­ten­de regel­mä­ßig sen­si­bi­li­sie­ren und schu­len: Tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men allein rei­chen nicht aus. Mit­ar­bei­ten­de müs­sen im siche­ren Umgang mit tele­me­di­zi­ni­schen Anwen­dun­gen geschult wer­den, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf Authen­ti­fi­zie­rung, Zugriffs­schutz und Ver­trau­lich­keit.

Trans­pa­ren­te und ver­ständ­li­che Daten­schutz­hin­wei­se bereit­stel­len: Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten müs­sen klar dar­über infor­miert wer­den, wel­che Daten zu wel­chem Zweck ver­ar­bei­tet wer­den und wel­che Rech­te ihnen zuste­hen. Die Daten­schutz­hin­wei­se soll­ten leicht zugäng­lich, ver­ständ­lich for­mu­liert und auf die tele­me­di­zi­ni­schen Beson­der­hei­ten abge­stimmt sein.

War­um TRI­ESCH­con­sult?

Michael Triesch ver­fügt über lang­jäh­ri­ge Erfah­rung als exter­ner Daten­schutz­be­auf­trag­ter und unter­stützt Unter­neh­men im Gesund­heits­we­sen bei der prak­ti­schen Umset­zung daten­schutz­recht­li­cher Anfor­de­run­gen im digi­ta­len Umfeld.

Die­se Spe­zia­li­sie­rung bie­tet Ihnen ent­schei­den­de Vor­tei­le:

Rechts­si­che­re Umset­zung tele­me­di­zi­ni­scher Pro­zes­se: Sie kön­nen sicher sein, dass Ihre tele­me­di­zi­ni­schen Leis­tun­gen auf einer klar defi­nier­ten Rechts­grund­la­ge beru­hen und die Ver­ar­bei­tung sen­si­bler Gesund­heits­da­ten DSGVO-kon­form erfolgt.

Struk­tu­rier­te Prü­fung tech­ni­scher und orga­ni­sa­to­ri­scher Maß­nah­men: Er ana­ly­siert Ihre Sicher­heits­ar­chi­tek­tur, Berech­ti­gungs­kon­zep­te, Lösch­rou­ti­nen und Auf­trags­ver­ar­bei­tungs­ver­hält­nis­se und ent­wi­ckelt pra­xis­taug­li­che Opti­mie­rungs­vor­schlä­ge.

Vor­be­rei­tung auf behörd­li­che Prü­fun­gen: Durch nach­voll­zieh­ba­re Doku­men­ta­ti­on und kla­re Ent­schei­dungs­pro­zes­se sind Sie auf Prü­fun­gen durch Daten­schutz­auf­sichts­be­hör­den vor­be­rei­tet.

Pra­xis­ori­en­tier­te Bera­tung: Sei­ne Bera­tung ver­bin­det juris­ti­sche Fach­kennt­nis mit tech­ni­scher Umsetz­bar­keit und den orga­ni­sa­to­ri­schen Anfor­de­run­gen medi­zi­ni­scher Ein­rich­tun­gen.

Fazit

Pri­va­cy by Default ist eine ver­bind­li­che gesetz­li­che Ver­pflich­tung gemäß Arti­kel 25 Absatz 2 DSGVO. Unter­neh­men müs­sen dem­nach sicher­stel­len, dass per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten stan­dard­mä­ßig nur zweck­ge­bun­den, erfor­der­lich und zugriffs­be­schränkt ver­ar­bei­tet wer­den.

Wer daten­schutz­freund­li­che Vor­ein­stel­lun­gen sys­te­ma­tisch imple­men­tiert, regel­mä­ßig über­prüft und doku­men­tiert, redu­ziert Risi­ken, stärkt das Ver­trau­en von Kun­din­nen und Kun­den und schafft nach­hal­ti­ge Com­pli­ance.

TRI­ESCH­con­sult unter­stützt Sie dabei, Pri­va­cy by Default nicht nur for­mal umzu­set­zen, son­dern struk­tu­rell und dau­er­haft in Ihren Unter­neh­mens­pro­zes­sen zu ver­an­kern.